gemeinschaften

 

gemeinschaften

meine letzten 2 jahre in deutschland bin ich viel in europa herum gereist und habe verschiedene gemeinschaften von menschen kennengelernt, die neue formen des zusammenlebens leben - als wanderhandwerker gab es gegen kost und logis immer etwas zu tun und auch mal die bahnkarte für die weiterreise

ein buch war dabei sehr hilfreich für mich: 'eurotopia - verzeichnis europäischer gemeinschaften' (s.u.) - eine adressensammlung mit beschreibung von bestehenden gemeinschaften in ganz europa, vom aufgekauften (verlassenen) bergdorf in italien über einen platz an polens ostseeküste, wo man in selbstgebauten booten wikinger spielen will, bis zum leben mit behinderten, auch mit spiritueller ausrichtung und oft mit selbstversorgung

in den beschreibungen steht jeweils, ob man dort offen ist für besucher oder gar neue mitbewohner - so hab ich ein paar davon kennengelernt, und es war toll, zu sehen, wie viele wir schon sind!

dort ist z.b. auch das 'zegg' (zentrum für experimentelle gesellschaftsgestaltung) bei berlin vertreten: man kann workshops und seminare machen, und lebt dort mit den ca. 100 bewohnern auf einem platz in der natur - hier hab ich auch die 'gewaltfreie kommunikation' (m. b. rosenberg) kennengelernt: bin ich in der aggression, verteidigung, angst (wolfssprache) oder in der liebe (giraffensprache – sie hat das grösste herz, wegen dem langen hals)

einmal im jahr (august) zum 'ökodorf-festival', veranstaltet von karl-heinz meyer vom ökodorf-institut - zu diesem fröhlichen ereignis kommen immer so ca. 200 menschen zusammen, ca. 30% 'alte' und der rest neue leute, viele mit kindern...

man lebt eine woche zusammen auf dem resthof einer spirituellen gemeinschaft bei frankfurt, hört vorträge und guckt filme von gemeinschaften, macht interessante workshops, singt mantren und erledigt die anfallende hausarbeit in gruppen, deren aufgaben täglich wechseln

trotz aller reibereien und 'stress' wächst die ganze gruppe so eng zusammen wie eine familie - beim grossen abschlussforum sagt jeder reihum etwas zu der zeit zusammen - das sind für mich wichtige erlebnisse - zu sehen, wie nah 'fremde' menschen sich sein können, wie wenig bedeutung äusserlichkeiten noch haben, wenn man sich innerlich aufeinander einlässt

des menschen tiefste sehnsucht ist die nach familie und geborgenheit… - und genau diese sehnsucht wird hier gestillt… zwar nur vorübergehend, aber immerhin hat man einmal einen hauch davon, was glücklich sein bedeuten kann!

wir sind soziale wesen - auch mal für eine zeit allein in der natur leben ist ganz wichtig - aber wir sind keine einzelgänger - menschen brauchen menschen zum aneinander wachsen - zum leben 'spielen' - wir sind schon in der neuen zeit, das zeichen der zwei gegeneinander schwimmenden fische hat ausgedient, wir leben jetzt im zeichen der zwei vereinten und gleichschwingenden wellen des wassermannzeitalters - gemeinsamkeit, miteinander - es entsteht gerade das global brain, hier! jetzt!

ich schreibe diese zeilen über gemeinschaften, weil ich den traum habe, dass wir die neue zeit jetzt schon leben können oder zumindest in die richtung wollen – wir sind die schöpfer unserer realität!

zu der neuen zeit gibt es einen interessanten roman: 'die prophezeiungen von celestine' (s.u.) - dort steht auch etwas von der neuen art von gesprächen, wie menschen in zukunft miteinander kommunizieren - ein bewegender traum!

"Ich vermisse auf einmal die Aufbruchsstimmung dieser Zeit, den naiven Glauben an den Beginn des 'Zeitalters des Wassermann', an die Friedensbewegung, an den Beginn einer besseren Welt, die wir verändern wollten, den Glauben an einen spirituellen Wandel...."

doch, es gibt sie noch, genauso wie früher:

im februar 2009 fand hier in belém (brasilien) eine woche lang das welt-sozial-forum statt (parallel zum davos-geld-gipfel) - es waren 150.000 besucher in der stadt - die meisten wohnten auf dem unigelände (es waren grad semesterferien) - die polizei hatte anweisung, nicht gegen kiffer vorzugehen - es versammelten sich die verrücktesten menschen aus allen ländern dieser welt - schwule, farbige, bunte, indios usw. - es lief eine demo mit 7.000 nackten menschen ... - bei viel regen gab es schlammrutschen und es hiess dann nur noch 'woodstock'

danach kamen von dort 150 hippies auf 'meine' insel und lebten für ca. 1,5 monate bei meiner nachbarin theresa (die mit den vielen strassenhunden) - also erst waren es ca. 20, dann haben sie im internet-cafe an freunde gemailt und es wurden immer mehr - ein riesen happening und wirklich so wie 'früher': indienklamotten, lange haare, plakate mit 'no alk' oder 'kein müll in die natur' und 'peace', tarotkarten, krishnas, grasgeruch, gitarren und trommeln (die alten songs kennt man heute auch noch), vollkornbrot backen, lagerfeuer, rituale und reden reden reden über spirituelles und 2012 (das war früher im musical 'hair': 'der wassermann kommt')... sogar ein deutsches mädchen war dabei ... und dann sind sie fast alle zum karneval weitergezogen nach sao luis

zur abrundung muss ich hier aber auch erzählen, dass die gruppe sich darum so schnell auflöste, weil es immer mehr streit gab - wegen manchen, die nichts tun wollten und wohl auch wegen des geringen frauenanteils von 25%... - und: es gab keinen häuptling oder rat der alten, aber ein paar jungs, die um die alphaposition gerangelt haben - es war sehr interessant für mich

ein paar von ihnen sind hier geblieben und leben jetzt bei theresa, backen brot zum verkauf oder baden im fluss...

nachtrag ende 2010: einer von ihnen hat sich im november aus jux ein lotterielos gekauft und tatsächlich zu weihnachten einen neuen kleinwagen gewonnen: gott hat 'gewürfelt'!

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ein beeindruckender beleg für frühe gemeinschaften von friedlich miteinander lebenden menschen ist neben den essenern vor gut 2000 jahren (nordägypten und qumran am toten meer) die anatolische hochkultur von vor ca. 9.000 jahren - aus diesem text www.urkommunismus.de/catalhueyuek von bernhard brosius, von mir zusammengefasst:

in catal hüyük im gebiet des heutigen anatoliens lebten vor ca. 9.000 jahren (von 7.300 v.c. bis 6.100 v.c.) über 1.200 jahre lang ohne unterbrechung bis zu 10.000 menschen in einer gemeinschaft, deren häuser so eng aneinander gebaut waren, dass es nur wenige wege gab und die menschen über die dächer der nachbarn zu ihren häusern gelangten - die siedlung wurde nie zerstört, nie geplündert und es wurde an keinem der ausgegrabenen menschlichen überreste spuren einer gewalteinwirkung gefunden

die menschen lebten in einer gewaltfreien, klassenlosen, egalitären gesellschaft, in der frauen und männer gleichberechtigt waren, es keine herrschende klasse gab und wo in jedem haus gearbeitet wurde – gleichzeitig wurden grössere arbeiten (feldbau) in kleingruppen erledigt – das system hat sich in kürzester zeit über ganz anatolien und nahezu gleichzeitig den balkan ausbreitet und 3.000 jahre lang bestand gehabt (anatolische hochkultur) (ende der letzten eiszeit in dem gebiet: ca. 9.700 v.c.)

10.000 menschen über 1.000 jahre wand an wand OHNE krieg und gewalt! ... es geht also!

man darf sich fragen, warum es heutzutage nicht möglich ist und wie es zu dieser entwicklung bis zum heutigen zustand unserer welt kam, und wer bzw. welche menschengruppen dafür verantwortlich sind

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zum weiterlesen:

intern:   mein urwaldplatz   essener-wissen

extern:

eurotopia.de - leben in gemeinschaft

dorfwiki.org - Das Wiki der Innovativen Dörfer

zegg - 'zentrum für experimentelle gesellschaftsgestaltung' bei berlin - sehenswerte seite!

gemeinschaftscoach - joachim detjen - ein lieber coach und berater für gemeinschaftsprojekte, lebt selber in gemeinschaft - workshops / tips / buch / cd

gemeinschaftsbildung - interessante seite für menschen mit sehnsucht nach gemeinschaft - projekt: authentische gemeinschaft - forschungsprojekt zum thema 'wie funktioniert intensive, authentische gemeinschaft?'

ökodorf-institut - karl-heinz meyer  - er hat eine riesige datenbank über menschen in/aus/für gemeinschaften - workshop gut und preiswert - individuelle adresslisten leider teuer

catal hüyük  - anatolische hochkultur - eine gemeinschaft vor 9000 jahren

buchempfehlungen:

'eurotopia-verzeichnis: gemeinschaften und ökodörfer in europa' - martin stengel, julia kommerell  - ISBN 398129680X

'gewaltfreie kommunikation: eine sprache des lebens' - marshall b. rosenberg - ISBN 3873874547

'die prophezeiungen von celestine' - james redfield - ISBN 3548741193

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